Ratgeber

Ratten im Garten: erkennen, Ursache abstellen, richtig reagieren

Ab September ziehen Ratten aus dem Feld und von den Gewässern in die Gärten. Wer die Löcher früh richtig deutet und das Futterangebot abstellt, kommt oft ohne Bekämpfung aus. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie einen Rattengang erkennen, was Sie sofort selbst tun können und wo die Grenze der Eigenhilfe liegt.

Warum ausgerechnet im Herbst

Ratten sind das ganze Jahr über da, aber im Herbst ändern sie ihren Aufenthaltsort. Bis in den September hinein finden Wanderratten draußen genug: Getreide auf den Feldern, Fallobst, Insekten, Sämereien. Wenn die Felder abgeerntet sind, die Nächte kühler werden und die ersten Regenwochen die Ufer der Wedeler Au und der Elbmarsch durchweichen, verschiebt sich das Angebot. Dann sind Gärten mit Kompost, Vogelfutter, Kleintierstall und Fallobst schlagartig der beste Ort in der Nachbarschaft.

Dazu kommt der biologische Takt. Ein Rattenweibchen bringt bei guter Versorgung mehrere Würfe im Jahr, der letzte fällt oft in den Spätsommer. Die Jungtiere aus diesem Wurf brauchen im Herbst ein eigenes Revier und wandern ab. Deshalb sehen viele Hausbesitzer im September und Oktober zum ersten Mal etwas, obwohl die Kolonie schon länger in der Nähe lebt.

Rattenloch, Maulwurfshügel oder Wühlmausgang

Ein Loch im Rasen ist noch kein Befund. Drei Verursacher kommen infrage, und sie sehen unterschiedlich aus.

  • Rattengang: rund, etwa faustgroß, also sechs bis acht Zentimeter im Durchmesser. Der Rand ist glatt und wie poliert, weil die Tiere täglich mehrfach durchlaufen. Entscheidend: Vor dem Eingang liegt kein Erdhaufen. Die Ratte trägt den Aushub weg oder verteilt ihn flach. Häufig führt vom Loch eine schmale, niedergetretene Wechselspur ins Gebüsch, an der Mauer entlang oder unter die Terrasse.
  • Maulwurfshügel: ein lockerer Erdhaufen ohne sichtbares Loch. Der Maulwurf drückt die Erde von unten nach oben, sein Gang liegt darunter. Ein Hügel ohne Öffnung spricht immer gegen Ratten.
  • Wühlmausgang: deutlich kleiner, meist vier bis fünf Zentimeter, oft quer-oval statt rund, und die Erde liegt seitlich neben dem Ausgang. Wühlmäuse hinterlassen außerdem angenagte Wurzeln, Ratten nicht.

Zwei weitere Zeichen sichern den Verdacht ab: spindelförmiger Kot von anderthalb bis zwei Zentimetern Länge entlang von Mauern und Zäunen sowie dunkle, fettige Schmierstreifen dort, wo die Tiere regelmäßig an einer Kante entlangstreifen. Wenn Sie sich beim Kot nicht sicher sind, hilft ein scharfes Foto weiter: Über unsere Schädlingsanalyse per Foto ordnen wir die Spur zu, bevor jemand rausfährt.

Die vier Futterquellen im norddeutschen Garten

Fast jeder Rattenbefall im Garten lässt sich auf eine von vier Quellen zurückführen. Solange sie offen ist, kommen neue Tiere nach, egal wie viele man vorher gefangen hat.

Der offene Komposthaufen. Gekochte Speisereste, Fleisch, Wurst, Käse und Brot gehören nicht auf den Kompost, ebenso wenig gekochte Kartoffeln oder Nudeln. Ein offener Haufen mit solchen Resten ist Futter und Nistplatz in einem, weil der Rotteprozess ihn zusätzlich wärmt. Ein geschlossener Thermokomposter mit Bodengitter löst das Problem in den meisten Gärten.

Das Vogelfutterhaus. Ein klassisches Häuschen mit Streufutter gibt jeden Tag Körner an den Boden ab. Was dort ab der Dämmerung liegt, ist ein verlässliches Abendessen. Silos und Meisenknödel in Halterung sind unproblematischer, entscheidend ist, dass unter der Fütterung nichts liegen bleibt.

Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen. Kleintierhaltung ist die hartnäckigste Quelle. Futterreste im Auslauf, offene Futtersäcke im Stall, Einstreu und Wärme im Stallinneren: Das ist ein vollständiges Rattenrevier. Futter gehört in Metall- oder dicke Kunststofftonnen mit Deckel, Reste werden abends eingesammelt, der Stall bekommt ein Fundament oder ein untergelegtes Drahtgeflecht.

Fallobst. Unter Apfel- und Pflaumenbäumen liegt im Herbst wochenlang Zucker in großer Menge. Zweimal die Woche absammeln reicht meist schon.

Was Sie sofort selbst tun können

  1. Machen Sie eine Runde bei Tageslicht und markieren Sie jedes verdächtige Loch mit einem Stäbchen. Schließen Sie die Löcher locker mit zerknülltem Zeitungspapier. Was am nächsten Tag wieder offen ist, wird benutzt. Das ist die einfachste Aktivitätsprüfung, die es gibt.
  2. Stellen Sie die Futterquellen ab, alle vier auf einmal. Nacheinander bringt wenig, die Tiere weichen sonst nur aus.
  3. Räumen Sie Deckung weg: Reisighaufen, Bretterstapel, altes Gerümpel an der Hauswand, dichter Bodenbewuchs direkt an der Fassade. Ratten meiden offene Flächen.
  4. Sichern Sie die Übergänge zum Haus. Kellerfenster und Lichtschächte bekommen engmaschiges Gitter, Kellertüren eine intakte Bodendichtung. Alles ab zwei Zentimetern ist ein Zugang.
  5. Notieren Sie mit Datum, was Sie wo gesehen haben. Diese Liste spart später Zeit und Geld, weil die Begehung viel gezielter läuft.

Was Sie besser lassen

Kaufen Sie kein Rattengift im Baumarkt und legen Sie es nicht im Garten aus. Dafür gibt es drei nüchterne Gründe. Erstens sind offene Köder im Freien für Igel, Katzen, Hunde und Vögel erreichbar, und Greifvögel und Eulen nehmen das Gift über geschwächte Beutetiere auf. Igel stehen im Herbst kurz vor dem Winterschlaf und fressen alles, was sie finden. Zweitens machen unterdosierte oder zu kurz angebotene Köder die Tiere köderscheu, danach ist eine fachgerechte Bekämpfung deutlich schwerer. Drittens ändert Gift nichts an der Ursache: Solange Kompost und Kleintierfutter offen sind, rücken neue Tiere nach.

Schlagfallen sind erlaubt und in kleinen Fällen wirksam, aber nur geschützt. Das heißt: in einer stabilen Köderbox oder unter einer beschwerten Kiste mit Zugangsloch, gesichert gegen Kinder, Haustiere und Vögel, und täglich kontrolliert. Eine offen im Beet stehende Falle ist eine Verletzungsgefahr und tötet regelmäßig das falsche Tier. Von Ultraschallgeräten, Duftmitteln und Hausmitteln wie Chili oder Katzenhaaren ist keine dauerhafte Wirkung zu erwarten.

Melden oder nicht

Viele Gemeinden regeln den Umgang mit Ratten in einer eigenen Satzung oder Verordnung, und mancherorts gehört dazu eine Anzeigepflicht bei festgestelltem Befall. Ob und in welcher Form das für Ihre Adresse gilt, klären Sie am schnellsten mit einem Anruf beim Ordnungsamt Ihrer Gemeinde, in Hamburg beim zuständigen Bezirksamt. Unabhängig davon lohnt die Meldung aus praktischen Gründen: Wenn mehrere Grundstücke in einer Straße betroffen sind, deutet das auf die Kanalisation hin, und dort kann nur die Kommune behandeln. Als Mieter melden Sie den Befall zusätzlich schriftlich der Hausverwaltung, mit Foto und Datum.

Wann es allein nicht mehr geht

Holen Sie einen Fachbetrieb, wenn Sie Ratten am Tag sehen, wenn Sie mehrere aktive Löcher an verschiedenen Stellen finden, wenn Spuren bereits in Keller, Garage oder Gartenhaus führen oder wenn zwei Wochen nach dem Abstellen der Futterquellen unverändert Aktivität da ist. Auch bei Kleintierhaltung und bei Kindern im Haushalt ist der Weg über den Fachbetrieb der ruhigere, weil Köder dann in verschlossene, verankerte Stationen gehören. Was dabei gemacht wird und was es kostet, steht auf der Seite zur Rattenbekämpfung; die Übersicht aller Leistungen finden Sie unter Preise.

Sie brauchen Hilfe? Alles zur Rattenbekämpfung in Hamburg, im Kreis Pinneberg und im Umland.