Warum bei Hornissen das Gesetz vor der Technik kommt
Die Europäische Hornisse zählt zu den besonders geschützten Arten nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Daraus folgt sehr konkret: Ein Volk zu töten, ein Nest zu zerstören oder es bei besetzter Brut unbrauchbar zu machen, ist verboten. Wer es trotzdem tut, begeht eine Ordnungswidrigkeit, und die kann teuer werden. Zulässig ist eine Ausnahme nur, wenn die Untere Naturschutzbehörde sie im Einzelfall erteilt, und sie erteilt sie nur, wenn eine zumutbare Alternative fehlt.
Für Sie bedeutet das keinen Nachteil, sondern eine andere Reihenfolge. Wir kommen nicht mit dem Ziel, ein Nest zu beseitigen, sondern mit der Frage, ob es an seinem Platz bleiben kann. Erst wenn die Antwort Nein lautet, wird der Antrag gestellt und die Umsiedlung geplant. Diese Reihenfolge ist auch der Grund, warum wir manche Anfragen mit einem Telefonat erledigen und gar nicht erst anfahren.
Der Ruf und die Wirklichkeit
Hornissen gelten als aggressiv. Tatsächlich sind sie deutlich zurückhaltender als die Deutsche und die Gemeine Wespe, um die es auf unserer Seite zum Wespennest geht. Sie interessieren sich nicht für Kuchen, Grillfleisch oder Saftgläser, weil sie ihre Brut mit lebend erbeuteten Insekten versorgen. Am gedeckten Tisch werden Sie ihnen praktisch nie begegnen.
Der Spruch, drei Stiche töteten einen Menschen und sieben ein Pferd, ist schlicht falsch. Hornissengift ist nicht giftiger als Wespengift, der Stich tut wegen des größeren Stachels nur mehr weh. Verteidigt wird ausschließlich der Nestbereich, und dafür genügt in aller Regel ein Abstand von zwei bis drei Metern zum Flugloch. Wer diesen Abstand einhält und nicht am Nest hantiert, kann eine Saison lang neben einem Volk wohnen, ohne je gestochen zu werden.
Woran Sie ein Hornissenvolk erkennen
- Größe: Arbeiterinnen messen 18 bis 25 Millimeter, die Königin bis 35. Der Kopf ist rotbraun, der Hinterleib gelb mit brauner Zeichnung, nicht schwarz-gelb gestreift wie bei der Wespe.
- Geräusch: ein tiefes, deutlich hörbares Brummen. Wer es einmal gehört hat, verwechselt es nicht mehr.
- Nest: hellbraun bis ockerfarben, brüchig, aus zernagtem morschem Holz. Häufig ist es nach unten offen, die Waben liegen frei.
- Standorte: Dachböden, Rollladenkästen, Schuppen, Vogelnistkästen, hohle Bäume und Holzverschalungen.
- Flug bei Dämmerung: Hornissen fliegen als einzige heimische Art regelmäßig noch nach Sonnenuntergang und sammeln sich an beleuchteten Fenstern.
- Kotflecken: unter dem Nest fallen dunkle Spritzer und Nagespäne an, oft der erste Hinweis auf dem Dachboden.
Was ein Volk für den Garten leistet
Ein starkes Hornissenvolk erbeutet an einem Tag rund ein halbes Kilogramm Insekten. Das sind Fliegen, Bremsen, Raupen und in erheblicher Zahl auch Wespen. Ein Volk am Grundstücksrand hält den Garten spürbar frei, und zwar über die gesamte Saison. Im Oktober stirbt es ohnehin ab, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln in Totholz oder Erde. Das Nest wird nie wieder besiedelt.
Wie eine Umsiedlung abläuft und warum sie 260 € kostet
Eine Umsiedlung ist deutlich mehr Arbeit als eine Nestentfernung. Das Nest muss vollständig geborgen werden, die Brutwaben dürfen dabei nicht brechen, denn ohne Brut löst sich das Volk auf. Die Waben werden im Kasten in der ursprünglichen Ausrichtung befestigt, die frei fliegenden Tiere eingefangen und zugesetzt. Am neuen Standort braucht der Kasten Wetterschutz, die richtige Ausrichtung und genug Abstand zu Wegen. Danach muss geprüft werden, ob das Volk angenommen hat. Deshalb liegt der Preis bei 320 € zzgl. MwSt., mit Festpreis vorab. Eine Übersicht aller Leistungen finden Sie auf der Preisseite.
Die Asiatische Hornisse
Seit einigen Jahren breitet sich Vespa velutina in Deutschland aus. Sie ist kleiner als unsere Art, wirkt insgesamt dunkel und hat auffällig gelbe Beinenden. Ihre Hauptnester hängen oft frei und hoch in Baumkronen und fallen erst auf, wenn das Laub fällt. Sie gilt als invasive Art und sollte der Naturschutzbehörde gemeldet werden, Funde gehören der zuständigen Naturschutzbehörde gemeldet. Für die Umsiedlung gelten hier andere Regeln als bei der heimischen Hornisse. Gehen Sie einem solchen Nest nicht selbst nahe, sondern schicken Sie uns ein Bild über die Schädlingsanalyse.
Hornissen in der Region
Die klassischen Fundorte bei uns sind alte Dachstühle und Holzverschalungen. Am Elbhochufer in Wedel und in den Villenlagen von Blankenese und Nienstedten sitzen die Völker häufig in Dachkästen oder in offenen Schuppen. In den Baumschulgebieten um Halstenbek und Rellingen sowie in den Knicks der Haseldorfer Marsch gibt es viel Totholz, also ideale Naturhöhlen. Auf Reiterhöfen und Höfen um Kaltenkirchen finden wir Nester regelmäßig in Futterkammern und über Stalldecken, wo sie erst beim Einlagern des Heus entdeckt werden. Wenn Sie ein Nest vermuten, aber nicht sicher sind, ob es Hornissen, Wespen oder ein Hummelvolk sind, hilft unsere Seite zu Bienen und Hummeln beim Einordnen.
Vorbeugen für die kommende Saison
Wer im Herbst das leere Nest entfernen lässt und danach Dachkasten, Rollladenkiste oder Schuppenwand dicht macht, verhindert die Neubesiedlung derselben Nische. Nistkästen für Vögel im Frühjahr reinigen und die Einfluglöcher prüfen, denn eine Königin nimmt einen leeren Kasten gern an. Und wenn ein Volk an einer verträglichen Stelle sitzt: einfach stehen lassen. Das ist die billigste und die ökologisch beste Lösung.