Ratgeber
Wespenköniginnen im März: der härteste Monat des Jahres
Wenn es das erste Mal richtig warm wird, taumelt eine auffallend große Wespe durch den Garten. Das ist eine Königin auf Nistplatzsuche, und sie ist in dieser Phase ungefährlich. Ob aus ihr ein Volk wird, entscheidet sich in den nächsten vier Wochen, und zum Teil entscheiden Hausbesitzer darüber mit.
Ab etwa 15 Grad geht es los
Der Auslöser ist die Temperatur. Steigt sie über mehrere Tage auf ungefähr 15 Grad, endet die Winterruhe: Die Königin löst sich aus ihrem Quartier, wärmt die Flugmuskulatur durch Zittern auf und startet. Je nach Witterung passiert das in Norddeutschland zwischen Mitte März und Mitte April, an geschützten Südwänden auch früher.
Was dann fliegt, sieht anders aus als die Wespen, die man im August kennt: deutlich größer, träger, mit tieferem Brummen, oft am Boden oder an einer Hauswand entlang tastend. Viele Menschen halten das für eine besonders aggressive Wespe. Das Gegenteil trifft zu.
Warum der März der härteste Monat ist
Die Königin kommt nach Monaten ohne Nahrungsaufnahme aus der Starre. Ihre Fettreserven sind fast aufgebraucht, sie hat Wochen ohne Bewegung hinter sich, und sie ist nun das einzige Tier ihres künftigen Volkes. Alles hängt an ihr.
Sie braucht deshalb sofort Zucker, und zwar Nektar. Die ersten Weidenkätzchen sind dabei die wichtigste Quelle überhaupt, dazu Krokus, Winterling, Schneeglöckchen, Huflattich, Schlehe und Kornelkirsche. Findet sie in den ersten Tagen nach dem Erwachen nichts, stirbt sie schlicht an Erschöpfung.
Das zweite Risiko sind Spätfröste. Eine Königin, die ihr sicheres Winterquartier bereits verlassen hat, kann nicht ohne Weiteres dorthin zurück, und die Diapause lässt sich nicht neu starten. Eine kalte Nacht mit Minusgraden nach einer warmen Woche tötet einen erheblichen Teil des Jahrgangs. Aus diesem Grund entstehen die meisten Völker nie: Sie sterben in der Phase zwischen Aufwachen und erster Brut. Warum dabei auch der vorangegangene Winter eine Rolle spielt, steht im Beitrag Wespen im Winter.
Warum eine Königin im März nicht sticht
Wespen stechen, um ein Nest zu verteidigen oder wenn sie sich am Körper eingeklemmt fühlen. Im März gibt es kein Nest, keine Brut und keine Arbeiterinnen, also nichts zu verteidigen. Eine Königin auf Nistplatzsuche hat außerdem gar keine Reserven für einen Konflikt übrig, sie weicht aus. Selbst wenn sie in eine Wohnung gerät und ans Fenster stößt, geht von ihr keine Gefahr aus.
Der richtige Umgang ist entsprechend einfach: Fenster weit öffnen und sie hinausfliegen lassen, oder ein Glas darüberstülpen, ein Blatt Papier darunterschieben und das Tier draußen freilassen. Nicht schlagen, nicht sprühen, nicht anpusten.
Es gibt einen zweiten, sachlichen Grund, sie leben zu lassen. Im März ist ein einzelnes Tier gleichbedeutend mit einem ganzen Volk oder eben mit keinem. Wer sie erschlägt, verhindert damit aber nicht das Wespenjahr, denn im Umkreis überwintern viele weitere. Er entfernt nur ein Tier, das im Sommer Blattläuse, Fliegen und Raupen aus dem Garten holt. Wirksam gegen ein Nest am eigenen Haus ist nicht das Töten, sondern das Verschließen der Nistplätze.
Wie die Nestgründung abläuft
Hat die Königin einen Platz gefunden, arbeitet sie wochenlang allein. Sie schabt mit den Kiefern morsches Holz von Zäunen, Pfosten und Totholz ab, vermischt es mit Speichel und formt daraus Papier. Zuerst entsteht ein kurzer Stiel, daran hängt sie die ersten Zellen, darum baut sie eine Hülle. Anfang Mai ist das Ganze etwa golfballgroß.
In die Zellen legt sie je ein Ei. Die Larven füttert sie selbst, und zwar mit erbeuteten Insekten, während sie sich selbst weiter von Nektar ernährt. Diese Doppelbelastung, bauen und gleichzeitig jagen und füttern, ist der Grund, warum so viele Gründungen scheitern. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, meist Ende Mai oder im Juni, übernehmen diese Bau, Jagd und Brutpflege. Ab dann verlässt die Königin das Nest nicht mehr und legt nur noch Eier. Von diesem Punkt an wächst das Volk schnell, weil jede neue Arbeiterin die Kapazität erhöht.
Praktisch heißt das: Zwischen dem Einzug im April und einem wirklich großen Volk liegen rund drei Monate, aber der Aufwand für eine Entfernung verzehnfacht sich in dieser Zeit.
Wo Königinnen im März suchen
Gesucht wird ein Hohlraum, der dunkel, trocken, windstill und von außen über eine kleine Öffnung erreichbar ist. In der Reihenfolge, in der wir sie finden:
- Rollladenkästen. Der Klassiker an Siedlungshäusern. Der Zugang ist der Spalt am Gurtaustritt oder die Aussparung neben der Führungsschiene.
- Dachböden und Traufkästen. Vor allem dort, wo Lüftungsgitter fehlen oder gebrochen sind oder ein Ziegel verrutscht ist.
- Gartenhäuser, Carports und Schuppen. Zwischen Verschalung und Wand, hinter loser Dachpappe, unter umgedrehten Behältern.
- Vogelnistkästen. Wenn kein Vogel eingezogen ist, hängt darin im Juli oft ein Wespennest. Kästen im Spätwinter reinigen und im Zweifel bis Mai die Öffnung reduzieren.
- Erdlöcher. Verlassene Mausgänge, Hohlräume unter Wurzeln und Terrassenplatten, Komposthaufen.
Der praktische Rat für diesen Monat
Gehen Sie einmal um das Haus und einmal über den Dachboden, solange nichts eingezogen ist. Öffnen Sie die Rollladenkästen, räumen Sie Laub und altes Nistmaterial heraus und setzen Sie eine Bürstendichtung an den Gurtaustritt. Prüfen Sie Lüftungsgitter und Traufkästen, ersetzen Sie kaputte Gitter, schließen Sie offene Fugen an der Verschalung. Das ist eine Nachmittagsarbeit und erspart im Sommer den Einsatz.
Wenn Sie dabei bereits ein kleines, graues Gebilde am Stiel finden, ist es noch die Gründungsphase. Ein solches Nest lässt sich in aller Regel unkompliziert abnehmen, weil nur ein Tier daran hängt. Später ist das nicht mehr so, dann arbeiten wir im Vollschutz und mit Rücksicht auf die Umgebung. Was dabei geprüft wird und wann ein Nest überhaupt weichen muss, steht auf unserer Seite zum Wespennest entfernen.
Und noch eine Abgrenzung: Erscheint das Tier im April sehr groß, rotbraun gezeichnet und brummt tief, kann es eine Hornissenkönigin sein. Für sie gilt der besondere Artenschutz, ihr Nest wird umgesiedelt und nicht bekämpft, dazu finden Sie alles unter Hornissen umsiedeln. Bitte in diesem Fall nichts verschließen, bevor klar ist, was dort einzieht.